Unser Wandertipp: Über die Hochzell zum Arbergipfel

12.07.2013

„950 Höhenmeter Aufstieg bis zum höchsten Bayerwaldgipfel verlangen den rüstigen Wanderer, sieben Stunden Steigen und Laufen im Walddämmer den besinnlichen Mann. Viele wissen mit Stille und Einsamkeit nichts anzufangen. Sie begreifen nicht, dass es der einzige Weg zu sich selber ist.“

Ab der Scherau folgen wir der „grünen 1“ bergauf in Richtung Mittagsplatzl und dem Arbergipfel. Anders, als bei der bekannteren Aufstiegsroute über die Rißlochfälle, durchqueren wir hier kein Naturwaldreservat, also keinen „Urwald“ im eigentlichen Sinn, sondern einen Wirtschaftswald, der aber wegen der naturnahen Bewirtschaftung in vielen Teilen noch recht ursprünglich wirkt, der heute wieder Heimat von Luchsen ist und wo – in den höheren Lagen zwischen der Hochzell, dem Mittagsplatzl und der Bodenmaiser Mulde unterhalb des Arbergipfelplateaus – mit etwas Glück der bedrohte Wappenvogel des Bayerischen Waldes, das Auerhuhn, gesichtet werden kann.
Kurz nach Starterplatz für die Paragleiter und Gleitschirmflieger, wo wir die Aussicht auf Bodenmais genießen können, biegen wir nach links ab. Nach wenigen hundert Metern lichtet sich der Wald. Wir befinden uns in einer ehemaligen Windwurffläche:
In der Natur gibt es keinen Stillstand. Obwohl der Orkan Kyrill viele höher gelegene Teile des Arbergebiets im Januar 2007 in riesige Windwurfflächen verwandelte, können Wanderer auch heute zwischen der Hochzell und dem Arbergipfel das nachempfinden., was Walter Pause einst so beschrieb:

„Wir sind gefangen im harzigen Waldgeruch, gefangen zwischen hunderttausend in bestechender Vertikale aufstrebenden Fichten und Tannen, gefangen vom Reichtum des Waldbodens an Farnen, Beerengärten, Pilzen und Urgesteinsbrocken. Man atmet Wohlbehagen ein und Weltschmerz aus.“

Die in weiten Teilen sehr naturnah bewirtschafteten Wälder rund um Bodenmais erholen sich jedoch sehr schnell. Bereits jetzt – nach nur wenigen Jahren –  sind die ehemaligen Windwurfflächen an vielen Stellen mit Jungbäumen – vor allem Fichte, Tanne und Vogelbeere – wieder dicht bewaldet.
Nach einem relativ kurzem Stück Forstweg und einem weiteren Wegabschnitt durch einen ehemaligen Windwurf wird der Wald wieder dichter. Wir wandern nun am oberen Rand der Arberseewand, die viele Kenner zu den schönsten Naturschutzgebieten Mitteleuropas zählen. Am Mittagsplatzl, einem ehemaligen Schachten, machen wir Rast und genießen den Ausblick über den über 400 Meter unter uns liegenden Großen Arbersee bis hinüber nach Bayerisch Eisenstein und in den Böhmerwald. Über einen relativ steilen Abstieg in die Bodenmaiser Mulde und einen etwas längeren Gegenanstieg erreichen wir das Ziel unserer Tour, den Arbergipfel.