Vom Großen Arbersee zum Kleinen Arbersee

17.08.2014

Das Arbergebiet ist bekannt für seinen Wasserreichtum. Neben mehreren kleineren Wasserfällen und – mit dem Rißloch und dem Hochfall auch den beiden höchsten Wasserfällen des Bayerischen Waldes – begegnet der Wanderer in seinen Wäldern auch vielen stehenden Gewässern und Mooren. Die beiden bekanntesten sind – allein schon wegen ihrer Größe – der Große und der Kleine Arbersee. Auf einer etwa fünfstündigen Tageswanderung lassen sich beide Karseen erwandern und obwohl wir unsere Tour auch kurz als Seen-Tour bezeichnen können, wird der  Arbergipfel hier nicht zur Zwischenstation „degradiert“, sondern stellt den eigentlichen Höhepunkt unserer Wanderung zwischen den eiszeitlichen Naturschönheiten an seinen Flanken dar.
Wir starten am Großen Arbersee. Der Einfachheit halber, haben wir uns für unsere Anreise für den Bus entschieden. Einsam liegt er früh morgens da, aufsteigende Seenebel verleihen ihm ein mystisches Bild. Nur erahnen lassen sich jetzt die sogenannten „Schwimmenden Inseln“ im hinteren Bereich des Sees. Entstanden sind sie, als die Menschen Ende des 19. Jahrhunderts den Großen  und den Kleinen Arbersee für die Holztrift aufstauten. Da sie auf der Seeoberfläche aufliegen und keine Verbindung zum Seegrund besitzen, ist ihr Betreten - aus Sicherheitsgründen - verboten. Mit etwas Glück können wir im Bereich der Seewand den Wanderfalken beobachten, der hier seinen Horst hat. Seine Rufe begleiten uns auf unseren ersten Höhenmetern zum Arbergipfel: Führt unser Aufstieg, der mit einem „grünen  Dreieck“ oder einem „gelben G“ markierte Fernwanderweg/Goldsteig, anfangs über einen breiten Forstweg, so wird er nach der ersten Querung eines anderen Forstwegs zum angenehmen – etwas steinigen, aber für den geübteren Wanderer gut begehbarer Wanderpfad. Nach einer zweiten  Querung gelangen wir zur sogenannten – rund 300jährigen - „Brennesfichte“. Anders, als im Naturwaldreservat, sind hier im Wirtschaftswald ältere Bäume eher selten. Daher würdigte man sie nicht nur mit einem Namen und einer „Ehrentafel“: Obwohl sie kein Naturdenkmal ist, ist sie in einigen Wanderkarten eingezeichnet und wurde so für viele Wanderer, die sonst achtlos an ihr vorbei – dem Gipfel zu – gegangen wären, zu einem Ort, wo der eine oder der andere wohl hin und wieder kurz verschnaufend über die „Altersweisheit“ der Natur, in der die 80 Jahre eines Menschenlebens verhältnismäßig nur ein Sekundenschlag sind, nachdenkt.
Lichter wird der Wald nun rings um uns, die Ausblicke ins Tal und in die links von uns liegende Arberseewand werden großartiger. Dort, wo es kurz etwas flacher wird, folgen wir unserer Markierung nach rechts. Nach weiteren zweihundert Metern verraten uns an schönen Sommertagen Musik und Wirtshauslärm, dass wir uns der Gebäudeansammlung rings um die Bergstation der Arberbergbahn nähern. Wer einen Hüttenbesuch der Gipfelrast vorzieht, dessen Gipfelsturm wird hier etwas abgebremst. Alle andere zieht es von hier aus gleich zum Gipfelkreuz, das wir nach einem weiteren – etwa zehnminütigen Aufstieg -  erreichen. Für die bereits erwähnte Gipfelrast empfiehlt es sich jedoch, nicht das unmittelbaren Umfeld des Gipfelkreuzes auszuwählen: Bei gutem Wetter ist das Besucheraufkommen hier größer als anderswo, bei schlechtem sind wir besonders hier dem Wind ausgesetzt. Angenehmer ist eine Rast auf dem Kleinen Seeriegel, den wir – der Forststraße in Richtung Kleiner Arbersee/Chamer Hütte folgend – nach nur wenigen Minuten erreichen. Wer öfters zum Arbergipfel wandert, der sollte in jedem Fall nicht versäumen, von hier aus den Kleinen Arbersee zu fotografieren: Bei einem Vergleich der Bilder wird er sehr leicht feststellen, dass die Schwimmende Insel, die dem „Seehäusl“ am nächsten liegt, noch langsam und fürs bloße Auge unmerklich über den See treibt. 
Wir folgen dem „grünen Dreieck“ in Richtung „Kleiner Arber“. Wer noch genügend Zeit und Kraft gespart hat, sollte an der Chamer Hütte noch einen etwa 30minütigen Abstecher zum Kleinen Arber anhängen. Beim etwa einstündigen Abstieg zum Kleinen Arbersee, das Ziel unserer Seentour, werden wir anfangs besonders deutlich daran erinnert, welche Kraft Naturgewalten haben können und wir scheinbar machtlos wir ihnen – nicht nur im Hochgebirge – manchmal ausgeliefert sind: Im Januar 2007 verwandelte der Orkan Kyrill weite höher gelegene Flächen des Bayerischen Waldes in Windwürfe. Um Balz, Brut und Jungenaufzucht des bedrohten Auerhuhns nicht zu stören, vereinbarten Forst und Naturschutz, mit der Aufarbeitung dieser Flächen bis Mitte Juli 2007 – also bis zur Zeit, in der die Jungen flügge sind, - zu warten. Interessant ist, dass sich auch hier im Wirtschaftswald gut erkennen lässt, dass sich die Natur dort besonders schnell erholt, wo naturnah gewirtschaftet wird.
Je mehr wir uns dem Kleinen Arbersee nähern, desto dichter wird der Wald. Da er – anders als der Große Arbersee – nur zu Fuß  oder seit einigen Jahren durch die „Bimmel-Bahn“ ab Lohberg erreichbar ist, blieb er vom Massentourismus noch weitestgehend verschont.  Und so lassen uns die letzten drei Kilometer unserer Wanderung zum Brennes, wo wir wieder in den Bus in Richtung Arberbergbahn/Bodenmais steigen können, genügend Zeit, um langsam wieder aufzutauchen – aus der Waldeinsamkeit des Großen Arbers.

Ein Wandervorschlag von Dr. Isabelle Auer, Gebietsbetreuerin Arberregion